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19.05.2009

City of God

Titel: City of God
Jahr:
2002
Genre:
Drama
Regisseur:
Fernando Meirelles
Schauspieler:
fast nur Laiendarsteller
Ofdb.de:
Link
Bewertung:
10/10

Einleitung:

Ein Film mit 350 Laiendarsteller aus den Armenvierteln von Rio de Janeiro, gedreht von einem unbekannten brasilianischen Regisseur, der noch keinen Film gedreht hat. Kann das was werden? Ja, eine unglaubliche Kameraführung, eine einzigartige Erzählstruktur und eine bedrückende Authentizität, gewürzt mit viel Gewalt und Realismus macht „City of God“ zu einem beeindruckenden Film, mit dem man mitfiebert und mitfühlt. Erst vor kurzem stand ein Film mit ähnlicher Thematik im Fokus. Doch das hohe Medieninteresse und der Oscarregen hätte statt „Slumdog Millionär“ (der auch gut ist) besser „City of God“ 6 Jahre früher zuteil werden sollen.

Inhalt:
Buscapé lebt in der „Stadt Gottes“, einem Vorort Rio de Janeiros, in dem Gewalt allgegenwärtig ist. Ein Überfall seines großen Bruders endet im Chaos, da „Löckchen“, ein achtjähriger Junge, seine Waffe nimmt und ziellos Leute umbringt. Löckchen findet Gefallen am Töten und steigt in den folgenden Jahren immer mehr zum Boss des Armenviertels auf. Mit 18 beschließt Löckchen, der sich fortan „Locke“ nennt, mit seinem guten Freund Bené, Drogendealer zu werden und sich als erstes seinen Konkurrenten zu entledigen. In dem Viertel herrscht so etwas wie Frieden, da es nur zwei große Dealerbanden gibt und die zweite rund um „Karotte“ von Bené geschützt wird. Doch der skrupellose „Locke“ duldet keine Wettbewerber und so ist es nur eine Frage der Zeit bis die zwei Banden zu Feinden werden und ein Bandenkrieg entbrennt...

Filmkritik:
Die zentrale Figur des Films ist Buscapé, der doch nie so recht in diese Welt passt. Er ist vernünftig, hat den Traum Fotograf zu werden, geht Gewalt aus dem Weg und trotzdem wird er immer wieder mit Gewalt konfrontiert. Er lebt schließlich inmitten eines Viertels, in dem nicht Gott, sondern die Waffe regiert. Das erkennt die zweite Hauptfigur sehr früh. Nur durch seine Skrupellosigkeit und Bereitschaft, Gewalt auszuüben, wird Locke zu dem selbsternannten Boss in der Stadt Gottes. Für Locke zählt nur Macht, denn bei Frauen hat er wenig Chancen und Freunde hat er nur einen, Bené, der so etwas wie der Gegenpol zu Locke darstellt und versucht, ihm Vernunft einzureden.

Der Zuschauer findet sofort Sympathien zu Buscapé und Bené, doch komischerweise lässt einen das unvermeindliche Schicksal Locke´s auch nicht kalt. Eine Stärke des Films sind die gut gezeichneten Charaktere, die fast allesamt von Laien dargestellt werden, doch genau aus diesem Grund wirken diese so authentisch und jedes Schicksal bewegt den Zuschauer. Mit manchen entwickelt man Sympathien und mit manchen wird man nie warm, doch immer herrscht eine gewisse Einsicht für die „Bösen“, da man die Zustände, die dort herrschen nie ganz verstehen kann und man nicht weiß, wie man selber handeln würde wenn man in solch einem Strudel aus Gewalt aufwachsen würde.

Die Stadt Gottes ist kein typisches Slum, wie man es aus Reportagen kennt, mit alten Wellblechhütten und Chaos. Es steht ein Haus neben dem anderen, die Sonne brennt vom Himmel und es scheint fast so, als ob doch eine gewisse Ordnung herrscht. Doch es brodelt nicht an der Oberfläche sondern inmitten des Viertels. Es ist eine eigene Welt, in der man sich vor der Außenwelt am Besten abschottet. So ist es auch zu Verstehen, wieso kein Bewohner einen anderen an die Polizei verrät. Die Bewohner wollen Ruhe und ihre Probleme selbst lösen. Das ein System ohne wirkliche Exekutive irgendwann im Chaos endet ist nur eine Frage der Zeit, denn eine Gesellschaft kann nicht auf dem Gesetz des Stärkeren (hier des gewaltbereiteren) aufbauen.

Besonders gelungen ist die Erzählstruktur des Films. So beginnt der Film mit dem eigentlichen Ende und es gibt einige Rückblenden und „eingeschobene“ Episoden die zum Verständnis des Ganzen beitragen und die Fäden zusammenführt. Außerdem erstreckt sich die Geschichte über mehrere Jahrzehnte und wird aus Sicht von Buscapé erzählt. Dies und der Grund, dass ein zentrales Thema der Zusammenhalt unter organisierten Gangs ist, führt oft zu Vergleichen mit dem genialen Mafiafilm „Good Fellas“ von Martin Scorsese. Jedoch sind beide Filme aus unterschiedlichen Gründen zu empfehlen und keiner müsste einen Vergleich fürchten.

Fazit:
Eine ungeschönte Sicht auf die Missstände in den Armenvierteln, wo Gewalt und Drogen regieren. City of God nimmt einen mit in eine andere Welt, in der sich der Zuschauer nie wohl fühlen würde und in der er handlungsunfähig wäre. Die Laiendarsteller und eine gekonnt-brutale Bildersprache erzeugen eine ungeheure Authentizität, die wiederum wesentlich zur Spannung des Films beiträgt.
10/10

29.04.2009

Funny Games

Titel: Funny Games
Jahr: 1997
Genre: Drama
Regie: Michael Haneke
Schauspieler: Ulrich Mühe, Arno Frisch, Frank Giering, ...

Ofdb.de: Link
Bewertung: 10/10


Einleitung
Der Regisseur Michael Haneke hat sich in seinen Filmen (Bennys Video, 71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls) schon öfters mit dem Thema Gewalt auseinander gesetzt. In Funny Games beschäftigt er sich mit der Gewalt in Medien. Für den amerikanischen Markt hat er auch ein unnötiges Remake gedreht. Im folgenden soll aber nur auf das Original eingegangen werden.

Inhalt
Eine wohlhabende dreiköpfige Familie will ihren Urlaub im Ferienhaus am See verbringen. Das Idyll wird jedoch gestört als zwei freundliche, junge Männer vor der Haustür stehen und um ein paar Eier bitten. Sie bringen die Familie in ihre Gewalt und schließen mit ihnen eine Wette ab, am Morgen sollen sie alle tot sein. Die „lustigen Spiele“ beginnen ...

Filmkritik
Der Film gibt zu keiner Zeit vor real zu sein. Man wird immer wieder daran erinnert das es sich um Fiktion handelt. Die Täter blicken direkt in die Kamera und fragen den Zuschauer, ob die Opfer schon genug malträtiert seien oder sie zwinkern einem zu und machen den Zuschauer so zu ihrem Verbündeten. Man wird zum Komplizen der beiden Psychopathen degeneriert.
Dem gegenüber steht die sehr realistische Schauspielerleistung, die einen vergessen lässt das es sich um einen Film handelt. Dieser Gegensatz, wird auch am Ende, in einem philosophischen Gespräch über Realität und Fiktion, von den beiden Tätern aufgegriffen.

Funny Games hält dem Zuschauer den Spiegel vor. Diejenigen, die durch das Fernsehen schon zu abgestumpft sind, werden enttäuscht sein, denn der Film zeigt keine explizite Gewalt. Aber gerade die Enttäuschung über fehlendes Blut und physische Gewalt sollte ihnen zu denken geben.
Alle anderen werden angewidert sein von der psychischen Gewalt mit der die Täter ihre Opfer quälen.
Das es für die Opfer kein entkommen gibt, wird schon nach den ersten Gesprächen zwischen Opfer und Täter klar. Dabei haben die Tätet kein Motiv, sind aber fest entschlossen ihre Wette einzuhalten.

Wie eingangs schon erwähnt verhalten sich die Schauspieler sehr realistisch. Diese Leistung kann gar nicht genügend gewürdigt werden. Unvergesslich die quälend lange Szene, als Ulrich Mühe nach dem Tod seines Sohnes in Tränen ausbricht. Dabei wird die Kamera etwa zehn Minuten (gefühlt eine Stunde) auf ihn gerichtet. Der Zuschauer wird mit dem Opfer allein gelassen.

Wegen der sehr ruhigen Art des Films, erschrickt man regelrecht durch die grellen Schreie der Opfer. Es fährt einem durch Mark und Bein. Musik kommt nur vor, wenn einer im Film das Radio oder den Plattenspieler anschaltet. Und auch dann gibt es nur zwei Stücke (Klassik und Rock) die den Film durchziehen.

Fazit
Funny Games zu schauen ist eine Tortur, der man sich nicht jeden Tag aussetzen möchte. Nichtsdestotrotz ist es eine interessante Studie, die sich mit Gewalt in den Medien und dem daraus entstehenden Voyeurismus auseinander setzt.
10/10


28.04.2009

Fight Club

Titel: Fight Club
Jahr: 1999
Genre: Thriller, Drama
Regie: David Fincher
Schauspieler: Brad Pitt, Edwart Norton,…
Ofdb.de: Link
Bewertung: 10/10

„Erst wenn wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit alles zu tun.“
Einleitung:
Am Ende des alten Jahrtausends (kurz vor dem vermeintlichen großen Crash zu Silvester 1999/2000) kam ein Film in die Kinos, der die Gemüter erregte und sich den Vorwürfen der Gewaltglorifizierung auseinandersetzen musste. Ein kompromissloser Film, der mit der Wahrnehmung der Zuschauer spielt und eine dichte, düstere Atmosphäre schafft. An den Kinokassen war er eher gescheitert und als Flop abgestempelt, obwohl der Regisseur, David Fincher, schon mit „Sieben“ und „The Game“ bewiesen hat, das er das Zeug zum Ausnahmeregisseur hat. Die Rede ist von „Fight Club“, einer der meist diskutierten und kontroversesten Filme in der neueren Geschichte.

Inhalt:
Der namenlose Erzähler, der im Mittelpunkt der Geschichte steht, führt scheinbar ein ganz normales Leben, doch er leidet, einmal offensichtlich an Schlaflosigkeit und andererseits an den normalen Zwängen der Gesellschaft. So ist er ein Konsumopfer von Ikea wie viele Millionen anderer. Er beginnt, an Selbsthilfegruppen teilzunehmen und findet durch das Leid schwer erkrankter Menschen, die sich ihm das Herz öffnen, Erlösung. Doch dann begegnet er auf einem dieser Treffen Marla Singer, eine Simulatin wie er, die sein vermeintliches Glück zerstört. Auf einem Flug lernt er schließlich den charismatischen Seifenvertreter Tyler Durden kennen und ist sofort von ihm beeindruckt. Die zwei gründen den Fight Club, bei dem 2 Männer unterschiedlichster Gesellschaftsschichten miteinander kämpfen und dadurch dem Alltag entfliehen. Die Anhängerschaft des Fight Club wächst stetig und als nächste Stufe zur möglichen Selbstverwirklichung eines jeden wird von Tyler das Projekt Chaos gegründet, das die öffentliche Ordnung aus dem Gleichgewicht bringen will…

Filmkritik:
Von Beginn an wird man mit den Ansichten des Erzählers konfrontiert. Das dieser keinen Namen hat (auch wenn er sich im Laufe des Films immer häufiger Jack nennt, was jedoch im Kontext mit einem Zeitungsartikel steht, den der Erzähler gelesen hat und aus der Sicht eines Organs geschrieben wurde) ist Absicht, da er für die Allgemeinheit, den Durchschnittsmenschen stehen soll und sich der Zuschauer mit diesem identifizieren kann. Und das geschieht perfekt. Man entwickelt sofort eine Sympathie mit der Hauptfigur, die grandios von Edward Norton verkörpert wird und erkennt sich in ihm wieder.

Andererseits wäre man insgeheim lieber wie Tyler Durden, der nicht den Zwängen des Alltags unterliegt und scheinbar sein eigenes Leben mit eigenen Wertvorstellungen lebt. Brad Pitt spielt diesen Tyler mit einer Genialität und einem Charisma, dem man sich nicht entziehen kann. Dadurch fällt man leicht in einen Strudel, in dem man seinen Ideologien viel Wahres abgewinnen kann, auch wenn man bei reiflicher Überlegung eigentlich ganz andere Vorstellungen einer funktionierenden Gesellschaft hat. Aber genau das ist die Absicht, Tyler Durden will und kann sein Umfeld und den Zuschauer manipulieren, um dadurch seine Ideologien durchsetzen zu können. Nicht umsonst ist Tyler Durden einer der charismatischsten und meist zitierten Charaktere der Filmgeschichte.

Das ist auch eine der größten Stärken des Films. Der Zuschauer wird unmittelbar in die Geschichte miteinbezogen. Beim Anschauen (oder besser aktiven Zusehens) des Films gehen einem so viele Gedanken durch den Kopf und man gewinnt den Aussagen und Botschaften ungewollt viel Zuspruch ab.

Das sozialkritische, gleichnamige Buch von Chuck Palahniuk wurde fast wortgetreu umgesetzt (nur das Ende ist sehr unterschiedlich) und Fincher schafft durch seine Bilder eine düstere Atmosphäre, bei der jedoch nie wirklich Unbehagen entsteht. Die Kämpfe im Fight Club sind knallhart. Die Schläge mit den puren Fäusten auf die nackte Haut tun schon beim Zusehen weh und haben eine unglaubliche Intensität. Die spektakulären Kamerafahrten des Films beeindrucken und auch der Soundtrack weiß zu unterhalten.

Fazit:
Über wenig Filme wurde soviel geschrieben wie über Fight Club, wenige Filme verdienen das Prädikat „Kultfilm“ so sehr wie dieser und selten wurde ein Spannungsbogen so konsequent aufgebaut - um mit einem zerschmetternden Knall zu enden. “Bitte bringen sie ihre Sitzlehnen in eine aufrechte Position“ und bewundern einen der grandiosesten Filme der 90er Jahre.
10/10